Vom Wolf zum Hund

Wie mittlerweise ein jeder weiß, gilt es als erwiesen, dass alle der uns bekannten über 400 Haushundrassen, auf ein und dieselbe Stammform zurückgehen; den Wolf. Vergleiche der Hirnmassen und des Verhaltensrepertoires von Haushunden und den drei früher diskutierten möglichen Stammformen - Goldschakal, Kojote und Wolf - und zusätzlich auch genotypische Untersuchungen lassen keinen Zweifel zu. Was Wolfsliebhaber schon immer "gewußt" haben, wird inzwischen auch von der Wissenschaft getragen.

Photo by Chris Goette at Wolf Park, Indiana, USA

Wer sich mit dem Verhalten von Hunden befaßt, tut gut daran, sich auch mit den Verhaltensweisen ihrer wildlebenden Ahnen auseinander zu setzen.Ein wirkliches Verständnis der Spezies Hund wird ohne ein gewisses Grundwissen über die Ethologie des Wolfes nicht möglich sein. Das bedeutet nicht, dass jeder potentielle Hundebesitzer ein Experte auf dem Gebiet der Ethologie werden muss. Es kann jedoch nicht schaden, grundlegendes verstanden haben, um später aufkommende Kommunikationsprobleme zu vermeiden. Das Verhalten des Hundes, wie wir ihn heute kennen, ist laut Zimen (Wölfe und Königspudel) von rassespezifischen Schwankungen einmal abgesehen zu 64% mit dem des Wolfes identisch. Der Rest ist mehr oder weniger verändert (23%) oder fehlt ganz (13%).

Photo by Dr. Sophia Yin, USA Photo by Dr. Sophia Yin, USA Photo by Monty Sloan, Wolf Park, Indiana, USA

Phänotypisch hat sich, durch den starken Selektionsdruck der auf den einzelnen Rassen lastet, teilweise sehr viel verändert - wer erkennt schon angesichts seines Äußeren, beim Chihuahua oder Mops noch den Wolf im Hund. Beim Verhalten fallen da Rückschlüsse auf die Stammform sehr viel leichter. Nicht nur den Wolf sollte der Halter von Hunden immer ein wenig im Hinterkopf behalten. Auch rassebedingte Besonderheiten müssen immer mitberücksichtigt werden. So wird sich der Terrier anders verhalten als der Hütehund, dieser wieder anders als ein Herdenschutzhund, der wiederum andere Eigenschaften hat als ein Windhund. Hier hat sich im Laufe der Zeit das ursprüngliche Verhalten des Wolfes teilweise sehr stark verändert und an die speziellen Lebensumstände des Menschen angepasst. Bestimmte Verhaltensweisen wurden verstärkt, andere abgeschwächt, einige verschwanden völlig.

Photo by Chris Goette at Wolf Park, Indiana, USA

Hat sich der zukünftige Hundebesitzer nun schlau gefragt oder gelesen und so einige Grundkenntnisse erworben, kann er leichter entscheiden ob und welche Hunderasse zu ihm passt. Wohnt er beispielsweise in der Nähe eines wildreichen Waldes und in bäuerlicher Idylle mit viel freilaufendem Federvieh, so wird der voll berufstätige Halter eines vor Energie strotzenden Jagdterriers kaum ein sorgenfreies Leben führen können. Zumindest dann nicht, wenn der Hund sein starkes Beutefangverhalten nur an den Hühnern des Nachbarn oder den Rehen und Hasen im Wald ausleben kann. Andererseits wäre ein Leben in der Stadtwohnung mit dreimal täglich gassigehen um den Block für einen solchen Hund sicher eine Qual.Wird hier kein entsprechender Ausgleich geschaffen, "platzt früher oder später die Bombe". Für Nichtjäger kann eine Beziehung zu einer solchen Rasse also mitunter sehr nervenaufreibend und häufig nicht von langer Dauer sein. Auch der einst so nette Jack Russell Terrier (Beispiel) kann zum ernsten Problem werden, wenn er Privilegien genießt, die man beispielsweise einem Rottweiler niemals zugestehen würde. Der Jack Russell wird unter Umständen bald versuchen seinen Sofaschlafplatz eindrucksvoll gegenüber den Familienmitgliedern zu verteidigen. Leben Kleinkinder in Haushalt, kann das dramatische Folgen haben. Solch ein Hund zeigt dann schnell "unerklärliches Aggressionsverhalten" und bekommt nicht selten alleinige Schuld für das Disaster, für das im Grunde mangelnde Führung und unklare Kommunikation von Seiten der Menschen verantwortlich zeichnen.

Übertreiben sollte man den Perfektionismus sicherlich nicht. Es reicht wie bereits erwähnt ein solides Grundwissen über das Verhalten von Wolf und Hund sowie ein gründliches Informationensammeln über die interessanten Rassen, um einen guten Start in das Leben mit Hund zu haben. Informationen über den Hund, der einem gefällt findet man genügend. Bücher gibt es zu jeder Rasse, Vereine helfen gerne weiter und auch Hundehalter die schon Erfahrungen mit einer Rasse haben, geben ihr Wissen gern an Neulinge weiter. Erstes Kriterium sollte jedoch immer Verhalten und nicht das Aussehen des Hundes sein.

Photo by Chris Goette at Wolf Park, Indiana, USA

Wichtig ist:
Der Hund ist ein sozial lebender Beutegreifer - ein domestizierter Wolf - dessen Verhalten sich seit nunmehr 15.000 Jahren den menschlichen Bedürfnissen angepasst hat. Je nachdem welchen Einsatzbereich eine Rasse ehemals hatte, tendiert das Verhalten in die eine oder andere Richtung .
Jagdverhalten, Aggressionen, Bindung, Lernverhalten, Bewegungsbedarf etc. können von Rasse zu Rasse stark variieren.

Photos by Chris Goette

Soziale Interaktion zwischen einem Altwolf und einem seiner "Sprösslinge" mit aktiver Unterwerfung.

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